Die Büchse der Pandora

Zur Altlasten-Problematik im Thälmannpark-Areal

Keine Panik! Wenn alles so bleibt, wie es ist, wenn nicht gebuddelt wird, sondern begrünt, wenn visionär gedacht wird, passiert niemanden etwas. Niemand muss viel Geld bezahlen, um Belastungen aus längst vergangenen Jahrhunderten aus dem Weg zu räumen, niemand kommt in die Gefahr, hier nicht mehr wohnen, spielen und leben zu können. Wenn der weitestgehend vergiftete Untergrund des Thälmannpark-Areals so betreut wird, wie bei der Aufbereitungsanlage in der Nähe des Kinder- und Jugendhauses DIMI und der nebenstehende Spielplatz als Warnung für Kostenexplosion im Falle unbedachten Vorgehens dient, passiert Niemanden etwas und geht keine Gefahr vom verseuchten Untergrund für Kinder, Jugendliche und Erwachsende, Besucher*innen und Anwohner*innen im Thälmannpark aus.

Nun wissen wir, dass die reale Welt etwas anders tickt. Es soll gebaut und mächtig gebuddelt werden. Die Aufgabe der Anwohnerinitiative Thälmannpark war von Anfang an, aufzuklären, Visionen zu erarbeiten – Wie wollen wir hier leben? – logische Schlüsse zu ziehen und mit den zuständigen Behörden und der lokalen Politik zu argumentieren und zu verhandeln, so dass Entscheidungen für die Interessen der Menschen im und um das Areal im gesamten Prenzlauer Berg getroffen werden. Viel wurde in dieser Hinsicht bereits erreicht. Eine inflationäre Randbebauung des Parks wurde verhindert, auch dank des seit 2014 bestehenden Denkmalschutzes der Kernflächen und Wohngebäude, die Kampagne „*teddyzweinull“ und der daraus abgeleitete Einwohnerantrag „Planverfahren Grünzug“ scheinen zunehmend bei BVV Verordneten und Abgeordneten zumindest Gehör zu finden. Bei aller vernünftigen, logischen und städtebaulich durchdachten Argumentation hat das Thema Altlasten und die damit verbundenen möglichen Widrigkeiten, Gefahren und Kosten bei einer favorisierten Bebauung auf dem Güterbahnhof Greifswalder Straße eher eine untergeordnete Rolle gespielt. Auch die bauliche Erweiterung der Grundschule am Planetarium über die hochbelasteten ehemaligen Gasometer-Standorte und die damit verbundene räumliche Teilung des Ernst-Thälmann-Parks wäre davon betroffen und müsste sehr behutsam abgewogen werden.

Der ehemalige Baustadtrat Kirchner schwadronierte seinerzeit noch mit dem Eigentümer des Grundstückes, Gerome, über 21stöckige Hochhäuser, die er sich auf dem ehemaligen Güterbahnhof vorstellen könnte. Nun weiß man, dass gerade Wolkenkratzer ein tiefes Fundament benötigen. Niemand weiß mit Sicherheit, wie viel Erdmasse ausgehoben und ausgewechselt werden muss, welche noch immer hoch giftigen Schichten sich tief unter dem zu bebauenden Areal befinden und welche Gefahren von ihnen ausgehen, wenn man zu ihnen buddelt. Und niemand kann wirklich berechnen, welche Kosten die dann die notwendigen Umschichtungen, die Entsorgung der vergifteten Erdmassen und die Aufbereitung des Bodens für tragfähige Fundamente auch nur ansatzweise kosten wird. Dem Herrn Gerome wird dieses einstmals als Schnäppchen erworbene Grundstück nicht nur viel Ärger bereiten, sondern buchstäblich um die Ohren fliegen.

Die von öffentlicher Hand organisierte Bebauung bzw. Erweiterung des „Schulcampus“ wird vor noch größeren Problemen stehen. Die Nachnutzung bestehender Gebäude, wie dem derzeit noch von Vivantes genutzten Krankenhaus für eine Schuleinrichtung ist dagegen ein weiterer vernünftigerer Vorschlag der Kampagne *teddyzweinull. Ansonsten muss dieses Areal behutsam behandelt werden. Wie beim warnenden Beispiel des oben erwähnten Spielplatzes explodieren sonst plötzlich auf Grund der zusätzlich erforderlichen Aufwände für die Altlasten-Problematik die Kosten. Mittlerweile kursieren schon Zahlen von Kosten über 21 Millionen Euro für diesen Bereich!

Mit Fachwissen, geschichtlicher Reflexion und den verschiedenen Interessen ausgleichendem Agieren kann es durchaus gelingen, wenige Fehler zu machen, den Menschen im und um den Park im Prenzlauer Berg und darüber hinaus gerecht zu werden und Investoren unnötige Mehrausgaben zu ersparen. Die Kinder, Eltern und Fahrradfahrer, die Erholungssuchenden und Hundebesitzer, die Menschen, die diese grüne innerstädtische Oase schon jetzt intensiv und ohne Sorgen nutzen, werden den Erhalt und die bedachte Erweiterung einer gesunden und unbedenklichen Umgebung zu schätzen wissen. (RW)

 

 

 

 

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