Geht gar nicht

Ich lebe seit 57 Jahren im Prenzlauer Berg. Das Enstehen des Thälmann Parks habe ich life mit erlebt. Was einstmals ein gepflegter Park war, verkam nach der Wende mit jedem Jahr mehr. Oftmals waren es die Anwohner, die in  Eigeninitiative versuchten, die einstmalige Pracht zu erhalten. So wurden z. B. die Rosenrabatten entlang der Promenade von einer Anwohnerin jahrelang gepflegt, bis sie aus Altersgründen aufgab. Das Wasser für den Teich wird mit Spenden von Anwohnern finanziert. Beide Anlagen befinden sich im Denkmal  geschützten Bereich!!!

Es ist sehr lobenswert, dass nunmehr der Parkteil, der nicht Denkmal geschützt ist, neu gestaltet werden soll. Leider ist der vorliegende Entwurf nicht nur ziemlich einfallslos, sondern auch realitätsfern. Offensichtlich ist dem Planungskollektiv entgangen, dass entlang der S Bahn gegenüber dem Planetarium ein großes Wohngebiet entsteht. Ebenso wird an der Prenzlauer Allee/Ecke Erich Weinertstr. gebaut. Das bedeutet mehr Einwohner, aber auch der Bedarf an Freiflächen für Spiel und Sport steigt. Entsprechend der Richtlinien für Stadtentwicklung sind 6m² Freifläche in Wohnungsnähe für jeden Einwohner vorgesehen. Dieser Richtwert ist schon jetzt im Prenzlauer Berg seit Jahren unterschritten. Einen bestehenden Park unter diesem Aspekt zu verkleinern, geht gar nicht.   Natürlich sind der Bau einer Schule, einer Kita unbedingt erforderlich, aber dafür gibt es andere Möglichkeiten (z.B. will Herr Gerome an der Greifswalderstr. ein Hotel bauen!!!) wenn man nicht den Weg des geringsten Widerstandes geht. Das zu erläutern kann aber an dieser Stelle nicht meine Sache sein. Klimaschutz sich auf die Fahne schreiben und dann einen Park in einem so dicht besiedeltem Gebiet zu verkleinern, geht gar nicht .

Außerdem stört mich an diesem Entwurf, dass eine ganze Bevölkerungsgruppe ausgeklammert wird. Es gibt noch immer zahlreiche ältere Bürger und auch jede Menge alte und junge Behinderte. Ein Fahrradweg entlang der Fernrohre ist zu begrüßen, aber ein parallel verlaufender, schmaler Sand Fußgängerweg ist eine Zumutung für jeden Fußgänger. Alte und Behinderte und Anwohner mit Kinderwagen werden diesen schmalen Weg nicht nutzen können. Wetterbedingt wird der Weg vermutlich nur eingeschränkt benutzbar sein und im Winter gar nicht.

Von jeher war die große Wiese hinter dem Planetarium eine Spiel und Sportwiese. Sie wird auch heute noch als solche von vielen Familien genutzt. Die Anzahl der Nutzer wird mit der Zunahme von Bewohnern der Neubauten steigen. Wenn ich den Entwurf auf S.18 richtig deute, sind da Betonbänke od. was immer das sein soll geplant. Damit wird die Nutzung der Wiese als Spiel und Sportstätte fast unmöglich. Außerdem können die Planer doch nicht im Ernst glauben, das Alte und Behinderte sich zu diesen stufenförmigen Gebilden vortasten! Wie wäre es denn mit schlichten Bänken mit Rückenlehne (Beton ist zwar nicht schön, aber aus Gründen der Haltbarkeit denkbar) entlang des Weges?

Die Hangwiese mit der einstmals sehr schönen Pergola wurde und wird gerne für Fotoshootings genutzt. Das Standesamt ist nahe, Die traurigen Reste der Pergola dienen auch noch heute  für Hochzeit- und Familienfotos. Zur Wiederherstellung der Pergola habe ich im Entwurf keinen Hinweis gefunden. Hier wäre Beton nicht fehl am Platze, denn Knöterich ist sehr schwer.

Wenn ich den Entwurf richtig deute, dann sind auch hier Betonstufen oder Bänke geplant. Das ist völlig verfehlt, denn es ist schon immer eine Liegewiese gewesen. Völlig ausgeklammert wurde die Tatsache, dass dieser Hang im Winter eine Rodelpiste ist. Die Kinder freuen sich bei jeder Schneeflocke, denn im Prenzlauer Berg gibt es kaum eine solche Gelegenheit noch mal. Betonbänke  sind hier eine Unfallgefahr und machen die Nutzung als Rodelwiese unmöglich.

Die Wiese am Bolzplatz hat Bäume. Die Einzigen bis zum Planetarium. Im Sommer lagern hier junge Eltern mit ihren Kindern. Sitzgelegenheiten für Alte und Behinderte gibt es nicht. Bäume zu fällen in einem so dicht besiedeltem Gebiet hat nichts mit Klimaschutz zu tun.

Was ich im Entwurf  auch vermisse, ist eine Aussage zum Sternen-Spielplatz. Dies ist der letzte von 3 Spielplätzen, die in der DDR gebaut wurden. Ich hoffe, die Denkmalbehörde schafft es noch rechtzeitig, ihn unter Denkmalschutz zu stellen. Spielplätze gibt es schon jetzt im Prenzlauer Berg zu wenig. Z.B. gibt es als Ersatz am Humanplatz die Gutvangerstr., die ab 1.5. bis 31.10 jeweils Mittwochs von 14.00 bis 18.00 Uhr als Spielplatz dient. Spielflächen  in einem der Einwohner stärksten Bezirke zu verkleinern ist ein Unding.

Ich bitte aus den angeführten Gründen mit Rücksicht auf die steigende Zahl der Anwohner und  vor allem auch unter dem Aspekt des Klimaschutzes den Entwurf zu überarbeiten. So notwendig ein Schulneubau auch ist, er darf nicht zur Verschlechterung der Lebensqualität aller Anwohner führen. Die ursprüngliche Größe des Parks muss unbedingt erhalten werden. Alte und Behinderte dürfen bei der Parkgestaltung nicht ausgeklammert werden. Bei dem vorliegenden Entwurf ist das der Fall.

Elke Straßenmeier, 07.02.2021

 

 

 

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