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Warum hat Dr. Kühne minutenlang Erich Honecker zitiert?-Thälmannpark-Ausstellung im Pankow-Museum mit Schwächen

Das Pankow-Museum in der Prenzlauer Allee hat sich mit der Ausstellung „Jetzt wirds ernst“ wahrscheinlich zur Aufgabe gestellt, eine behutsame Aufarbeitung der geschichtlichen Hintergründe des Thälmannparkes zu betreiben, das Hier und Jetzt zu dokumentieren und Visionen für die Zukunft anschaulich zu machen. Leider wird sie diesem Anspruch nur unzureichend gerecht.

Schon bei der Eröffnungsveranstaltung wurde klar, wie undifferenziert, einseitig, unter Bedienung zahlreicher Ressentiments und polemisch oberflächlich die Schau präsentiert werden soll. Kulturstadtrat Kühne zitierte minutenlang Honecker von seiner Thälmannpark-Eröffnungsrede (er wollte das aus unerklärlichen Gründen auf sächsisch machen, wobei man bemerken muss, dass Honecker eigentlich aus dem Saarland kommt…da sag ich nur: gründlich recherchiert…), Baustadtrat Kirchner bemühte alte Feindbilder. Vielleicht sollte es ein gespielter Witz sein, die Anwesenden jedenfalls konnten darüber nicht lachen.

Die politische Agenda des Bezirksamtes für Bebauung des Areals wurde noch einmal deutlich herausgestellt, die Pandora der Diskussionen um Denkmal und Name wieder mal geöffnet und mit geschichtlichen Ungenauigkeiten die vorhandenen antikommunistischen Reflexe gepflegt.

Ein Unbehagen des Bezirkes zum Entscheid der Landesdenkmalbehörde, dem Thälmannpark den Stempel eines Flächendenkmales zu verpassen, war in den Ausführungen der Bezirkspolitiker zu spüren. Die Leute haben nicht verstanden dass man Geschichte zu respektieren hat und auch die Epoche der DDR schon allein für die Menschen aus dieser Zeit eine schützenswerte Vergangenheit ist.

Das Ernst Thälmann maßgeblich an der Destabilisierung der Weimarer Republik beteiligt war, wie das auf einer Schautafel behauptet wurde, relativiert auf unerträgliche Weise die Rolle der Nazis in dieser Zeit. Ihn zum Kollaborateur mit den Nazis zu machen, ist nur eine der Ungenauigkeiten dieser Ausstellung. Viel mehr wäre seine zu Recht umstrittene Rolle als Stalinist von Interesse gewesen.

Die Sprengung der Gasometer zu DDR-Zeiten und die Widerstände dagegen werden als Brutstätte der gesamten Widerstandsbewegung der DDR-Opposition hoch sterilisiert. Wahrscheinlich war Stadtrat Kirchner damals gleich in der ersten Reihe des Widerstandes. Das tut den Menschen, die damals in der Umweltbewegung und in Kirchen Opposition organisiert haben und später zu Tausenden auf die Straße gegangen sind, sicher unrecht und würdigt ungenügend ihre Rolle.

Die Verantwortlichen und die Veranstalter tun sich schwer mit diesem Stück DDR-Geschichte, immer noch. Sie akzeptieren nicht oder völlig unzureichend die architektonische und soziale Leistung der Errichtung des Neubaugebietes Thälmannpark. Man dachte, diese Diskussionen hätten eine sachliche Richtung bekommen.

Immerhin bekommt die Kampagne der Anwohner-Initiative Thälmannpark TEDDYZWEINULL dann einen gewissen Raum zur Präsentation. Sie wird dennoch marginal als eine von vielen Möglichkeiten vorgestellt, wobei die Notwendigkeit und die Alternativlosigkeit von Bebauung (des Güterbahnhofsgeländes) betont wird.

Die Ausstellung spiegelt politisch und ökonomisch auf kulturelle und historische Weise die Denkweise des Bezirksamtes wieder. Sie wirkt interessengebunden und propagandistisch. Die Rede des Anwohners Günter Hahn hob sich zwar intellektuell, inhaltlich und rhetorisch von den Reden der Bezirkspolitiker deutlich ab, verfehlte aber auf Grund der methodisch interessant aufgepeppten, aber am Ende doch sehr oberflächlichen Art und Weise der Ausstellung ihre Wirkung.

Der Gefahr, als Teil der Bürgerbeteiligung vom Bezirksamt, auch bei solchen Aktionen, instrumentalisiert zu werden, wird dieser Anwohner-Initiative immer wieder begegnen. Ein konzentrierter, kritischer und hinterfragender Blick auf die Handlungen der verantwortlichen Protagonisten wird eine Vereinnahmung nicht zulassen und die Autonomie von engagierten Bürger*innen zur Ausübung ihrer Rechte stärken. (RW)

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Ideologisch aufgeblasener Bullshit

Die antikommunistischen Reflexe funktionieren noch. Mit welch unterirdischer Polemik und ideologisch aufgeladenem Antikommunismus die Erklärung der Berliner Denkmalbehörde zum Thälmannpark in der BZ kommentiert wurde, ist so unfassbar unreflektiert, unjournalistisch und dumm.

Dass der Thälmannpark jetzt als Flächendenkmal anerkannt wird, hat doch geschichtliche und architektonische Gründe. Will denn der Autor des Schimpfpamphletes in der BZ jede Geschichte und geschichtliche Aufarbeitung aus Berlin verbannen?

Dass es natürlich einer differenzierten politischen und geschichtlichen Einordnung der Person Ernst Thälmann bedarf, steht außer Zweifel. Eine Informationstafel auf dem Platz wird Licht ins Dunkel bringen.

Was will aber der Autor Schupelius uns mit dem Beitrag sagen? Soll das Areal abgerissen werden? Und dann endlich Platz für die Paläste von Immobilienspekulanten geschaffen werden, die dann den Park bis zur Unkenntlichkeit zubetonieren können, um auf ihre Rendite zu kommen? Das wäre sicher ein holder Traum des BZ-Autors. Alles DDR zerstören!

Er hat nicht verstanden, wie man mit Geschichte umgeht, auch wenn sie schwierig ist. Wir verherrlichen ja auch den preußischen Militarismus, aber das ist sicher nicht so schlimm. Ist die Erinnerung an die kommunistische Gewaltherrschaft (für die Menschen in den Westbezirkes) so schmerzhaft, dass jede Erinnerung auszumerzen ist? Wie es den Menschen im Osten damit geht, wird hier nicht gefragt.

Übrigens war das Denkmal von Ernst Thälmann schon vorher unter Schutz gestellt. Da wäre mit einem Abriss eh nichts zu machen.

Es ist sehr angenehm zu wissen, dass in der Landesbehörde für Denkmalschutz sehr unaufgeregte, unideologische und geschichtsbewusste Menschen den Ton angeben, um sehr verantwortungsvoll den Berlinern ihre Geschichte deuten wollen. Die reaktionären Scharmützel der BZ kann man getrost ignorieren. (RW)

Denk mal Denkmal, Thälmanndenkmal

Dass sich das Ernst-Thälmann-Denkmal als polarisierende Projektionsfläche verschiedener ideologischer Ansätze zur Geschichtsaufbereitung eignet, dafür kann ja keiner was. Schon gar nicht die Anwohner*innen.

Entspannt und locker kann man dem Denkmal begegnen. Es ist nun mal da und so schnell nicht weg zu kriegen. Steht es doch unter Denkmalschutz und eignet sich als geschichtsaufklärenden Ort in einer Stadt mit soviel Geschichte.

Auch der Name Thälmannpark hat sich in das öffentliche Gedächtnis eingeprägt, Bewohner, Zugezogene, öffentliche Institutionen und nicht zuletzt Immobilienhändler benutzen ihn völlig selbstverständlich und unideologisch. Er sollte kommentiert werden, aber nicht verschwinden.

Warum auch, hat man in dem antikommunistischen Wahn der Siegermacht BRD schon mehr als nur sozialistische Propaganda vernichtet. Ganze Biographien, komplexe Geschichten und differenzierte Geschichte wurde dem Sturm des Beitrittes der DDR zur BRD geopfert. Darüber sollte man jetzt hinweg sein, paranoider Antikommunismus als Totschlagkeule sollte längst überwunden sein.

Apropos Geschichtskitterung, Ignoranz von ostdeutschen Biographien und penetranter Antikommunismus: Gauck mit seiner konstanten Umwidmung von DDR-Geschichte, mit seiner Interpretation von Freiheit als Instrument eines konsequenten Sozialdarwinismus und mit seinem Verrat an eine Bevölkerung, die zwischen Rügen und dem Thüringer Wald zwischen 1949-89 gelebt hat, ist die perfideste Rache der Sieger  an das ostdeutsche Volk.

Der Name und das Denkmal müssen bleiben, nicht weil ich ein notorischer Nostalgiker bin und auch kein Verfechter des Stalinisten Ernst Thälmann, sondern weil ich für differenzierte und behutsam aufbereitete Geschichte in dieser Stadt bin, weil ich für einen ambivalenten, relaxten und reflektierten Umgang mit Zeugnissen der wechselhaften Historie des Thälmannparkes und der Stadt bin. (RW)