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Betonlobby macht Druck-Kirchner als Vorreiter

In Anbetracht der schallenden und peinlichen Niederlage, die der Senat beim Volksbegehren Tempelhofer Feld einstecken musste, geht der Stadtentwicklungssenator Müller samt seiner Betonfraktion massiv in die Offensive und lobt für Neubau Prämien aus. Für besonders schnelle Genehmigungsverfahren gibt es Boni/ „Sprinterprämien“ . Dieses Geld soll direkt an die Bezirke gehen und sie dazu ermächtigen, noch mehr und noch schneller die Voraussetzungen zu schaffen, dass gebaut werden darf.

Die Frage muss an dieser Stelle gestellt werden: Für wen wird gebaut, wer baut, wer hat was davon und wie werden tatsächliche Bedarfe damit gedeckt? Bisher waren die Wohnungen der Neubauten in Berlin für die Meisten unbezahlbar und haben die Taschen der auf Rendite bedachten Investoren gefüllt.

Das ist eine direkte Aufforderung, den Investoren den Weg zur unkontrollierten Stadtplanung und zum Betonieren der Stadt zu erlauben, um aus den Neubauten noch mehr Geld zu scheffeln. Bei diesem Druck aufs Tempo werden garantiert irgendeine Art von Bürgerbeteiligung bei diesen Prozessen nicht mehr möglich sein, behutsame Stadtgestaltung wird ganz bewusst ausgespart und somit der Wohnungsneubau an den wirklichen Bedarfen, wie bisher, völlig vorbei geplant und wahrscheinlich auch ausgeführt.

Als erster Verantwortlicher der Bezirke hat sich bereits Pankows Baustadtrat Kirchner zu Wort gemeldet. Der Grüne Politiker geht davon aus, dass er ohne große Mühe die Prämien einstreichen kann, da er bereits seit seiner Amtzeit den Weg für Investoren zum Bauen fast unkontrolliert frei macht. Wenn er, wie getan, Bürgerbeteiligung nur als lästiges Übel begreift und es mit Winkelzügen und Bauernschläue auszuhebeln versucht, ist ihm die Offerte des CDU/SPD-Senats nur die Bestätigung seines bisherigen Handels. Mit diesem Rückenwind wird er den Druck auf die Bezirkspolitik, auf BVV und den betroffenen Ausschüssen erhöhen und mit dem Wohlwollen der Göpels, Geromes und Groths sich noch mehr als Interessenvertreter der Imobilienwirtschaft und als Macher aufspielen können.

Die Maßnahme des Senats ist eine gewollte und gut kalkulierte schallende Ohrfeige für die Menschen dieser Stadt, für die Mieter*innen der mittleren und unteren Einkommen, für Familien und Studenten, für alle, die den Mietpreisturbo schon lange nicht mehr mitmachen können. Dass so Politik gegen die eigene Bevölkerung gemacht wird, empört und macht die Rolle der vielen Bürgerinitiativen um so wichtiger, denn wen haben die Betroffenen denn sonst als Lobby? (RW)

Den Beitrag, auf den sich dieses Posting bezieht, kann man hier nachlesen.

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Spielt nicht mit den Schmuddelkindern!

Es ist schon bedauernswert, wie sich Investoren und deren Interessenvertreter Wohnungsbau in Berlin so grundsätzlich vorstellen. Bedauernswert vor allen Dingen für die Neumieter oder -eigentümer. Das hat sowenig mit Stadtgestaltung, mit urbanen Leben und Durchmischung zu tun, wie ein Goldhamster mit Kochen. Es sind augenfällig ästhetische und architektonische, aber auch gestalterische Gründe, so dass ich den armen Reichen, also zukünftigen Bewohner neuer Stadtquartiere mein ganzes Mitleid gönne.

Am Beispiel Thälmannpark kann man es sehr gut erklären. Der Stararchitekt, der den Prenzlauer Bogen verzapft hat, nannte die dem Gebäudekomplex gegenüberstehenden Plattenbauten aus der DDR-Zeit noch hämisch Legebatterien. Immerhin sind die Zonenwohnkammern jetzt unter Denkmalschutz gestellt worden und haben damit eine langersehnte Wertschätzung unter reflektierten Architekten und Historikern erfahren.

Dagegen steht das weiße Gebäude, das so akribisch umzäunt und konsequent überwacht wird, wie ein Kathedrale der Angst da. Wo paranoide Bewohner*innen sich kaum raustrauen, um ihren hochgezüchteten Hund im Park auszuführen, entwickelt sich ein eigenes Ghetto, dass in seiner Begrenztheit wirkliche Lebensqualität massiv einschränkt. Das Mantra „Bloß nicht in Kontakt kommen mit den Unterschichten! Bloß keine Durchmischung!“ zeigt, wie armselig es unter Vermögenden zugehen kann.

Die Kinder kleben sehnsüchtig an den Zäunen, da sie neidisch auf die Altersgenossen vom angrenzenden Kindergarten oder auf den Spielplätzen der Platte sind, die so laut und frei ihrem Spieldrang nachgehen. Doch Mutti hat bestimmt eine Standortüberschreitung verboten. So bleibt es traurig und ohne Spielkameraden auf gestutzten Rasen liegen.

Das alles ist gewollt, von Investoren, beauftragten Architekten und den potenziellen Kunden. Das System ist bereits so konditioniert, dass als Wohnneubauten ganz grauenhafte oberirdische Bunker entstanden sind, die auf Sicherheit mehr Wert legen, als auf echtes und offenes Wohnen. Wie der Prenzlauer Bogen eher als Sanatorium des BND daherkommt, wirkt der ELLA-Neubau als eine römische Festung im gallischen Dorf.

Wenige Wohnungen haben hier Licht, weil man die gewaltige Baumasse zwischen Krankenhaus und Platte gequetscht hat. Große Mauern an den Eingängen zeugen von der großen Angst vor unangenehmer Berührung mit der Stadt und ihren Menschen. Das Monstrum wirkt so anorganisch in dieses Gebiet gepflanzt, dass man gespannt sein kann, wie sich die Neu-Thälmannpark-Bewohner*innen sich ihre Freiräume erkämpfen. Den armen Reichen wird hier ein Denkmal gesetzt, was zwar nicht schützenswert, aber auch mit ganz viel Geld nicht aufzuwiegen ist. Diese Kapitalanlage hätte man sich getrost sparen können.

Wenn die regierenden Parteien im Land und im Bezirk nach Wohnungsbau in Berlin schreien, kann ich mir nicht vorstellen, dass das so mit schlechtem Geschmack, unsozialer Ausrichtung und soziologisch völlig unreif flankiert werden soll. Denn abgesehen von den Mietpreisen, der halt viele Menschen von vorne rein ausgrenzt, hat diese Art Wohnungsneubau auch eine menschenunwürdige und ghettoisierende Komponente für die betroffenen Mieter und Eigentümer. Schon allein aus ästhetischen Gründen ist so den Immobilienheinis Stadtplanung nicht zu überlassen. (RW)