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Thälmannpark – das geteilte Denkmal

von Günter Hahn

Seit November 1985 wohne ich hier auf dem Gelände des alten Gaswerkes. Thälmannpark wurde das Gebiet erst nach der offiziellen Eröffnung im April 1986 genannt und danach die Gestaltung des Gesamtkomplexes mit der Eröffnung des Planetariums 1987 vollendet.

Bis zum Jahr 1995 wurden alle Einrichtungen auch gut gepflegt, wodurch die Benutzung durch Anwohner und Bürger aus den umliegenden Kietzen gern wahrgenommen wurde.

Danach wurde es anders.

Durch die Feststellung von Altlasten, die wegen nicht sachgerechter Entsorgung bei der Demontage des Gaswerkes im Boden verblieben waren, wurden umfangreiche Entsorgungsmaßnahmen durchgeführt, sowie die Brunnenanlage zur Versorgung des Teichs und der Grünanlagen stillgelegt und eine Grundwasserreinigungs-Anlage installiert, welche bis zum heutigen Tage betrieben wird. Die Pflege der Einrichtungen und Anlagen lies deutlich nach. Der Thälmannpark dämmerte vor sich hin, blieb als Einheit jedoch erhalten und hatte immer noch einen guten Zulauf durch Anwohner sowie Gäste. Die Wohnungen waren und blieben preiswert obwohl die GEWOBAG und die Wohnungsbaugesellschaft Zentrum ab dem Jahren um 2006/ 2007 umfangreiche Sanierungen vorgenommen haben, die noch weitergeführt werden sollen.

Wegen der fast vollständig erloschenen Pflege des Teiches und Grünanlagen übernahmen rührige Bürger ab 2008 die Pflege des Teiches, wie auch teilweise die Säuberung von Grünanlagen und Wegen.

Wegen der lockeren Bebauung im Thälmannpark und Umfeld entstanden ab dem Jahr 2010 Begehrlichkeiten durch Investoren, die infolge knapper Kassen des Bezirks zu Teilerfolgen führten. Der Prenzlauer Bogen entstand bereits, das Vorhaben „Ella“ wird derzeit erbaut und das Areal des Güterbahnhofs Greifswalderstraße an den Investor Gerome verkauft.

In dieser Situation wurden Einwohner aktiv. Es bildete sich im Dezember 2012 die Anwohner-Initiative Thälmannpark, welche durch ihre Aktivitäten bisher verhindern konnte, dass beabsichtigte weitere Bebauung im sowie am Thälmannpark nicht erfolgte.

Das Gelände des ehemaligen Gaswerkes von der Prenzlauer Alle bis zur Greifswalder Straße und Danziger Straße wurde von Architekten, Landschaftsgestaltern und Künstlern der ehemaligen DDR als Ganzes, den Thälmannpark gestaltet. Diese Einheit ist sowohl in Büchern beschrieben und findet seinen Ausdruck sowohl in Stadtplänen wie auch Beschreibungen im Internet.

Das Landesdenkmalamt folgt dieser Einheit des Thälmannpark als Ganzes mit seinen

„Erläuterungen zum Vorliegen der Merkmale eines Denkmals“ vom 09.01 2014 nicht.

Im Textteil der Erläuterungen steht auf der zweiten Seite richtig:

„Die relativ zentrale Lage der Wohnbauten im Ernst-Thälmannpark, 2,5 Kilometer vom Alexanderplatz entfernt und noch innerhalb der Ringbahn gelegen, erklärt sich aus der Stilllegung des vorher dort befindlichen Gaswerkes. Die Idee, dieses Areal zwischen Danziger Straße im Süden, der Prenzlauer Allee im Westen, der S-Bahn-Trasse im Norden und der Greifswalder Straße im Osten städtebaulich neu zu ordnen, wurde …..“

Auf der dritten Seite heißt es wiederum richtig:

„Im Nordwesten ist die Bebauung unterbrochen, so dass sich ein fließender Übergang zum Parkbereich, der sich parallel zur Ringbahn bis zum Planetarium an der Prenzlauer Allee erstreckt, ergibt.“

Der Thälmannpark als Ganzes ist mehr als eine Wohnsiedlung mit Park und Denkmal. Ohne die mehrfach erwähnten „Wohnfolgeeinrichtungen“ in den Erläuterungen ist der in die Denkmalliste aufgenommene Teil des Thälmannpark unvollständig und wissenschaftlich nicht nachvollziehbar.

Das Denkmal ist und bliebe geteilt und das verwundert schon, denn wir sind sehr wohl bei der Aufarbeitung der Teilung schon recht weit voran gekommen.

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Denk mal Denkmal, Thälmanndenkmal

Dass sich das Ernst-Thälmann-Denkmal als polarisierende Projektionsfläche verschiedener ideologischer Ansätze zur Geschichtsaufbereitung eignet, dafür kann ja keiner was. Schon gar nicht die Anwohner*innen.

Entspannt und locker kann man dem Denkmal begegnen. Es ist nun mal da und so schnell nicht weg zu kriegen. Steht es doch unter Denkmalschutz und eignet sich als geschichtsaufklärenden Ort in einer Stadt mit soviel Geschichte.

Auch der Name Thälmannpark hat sich in das öffentliche Gedächtnis eingeprägt, Bewohner, Zugezogene, öffentliche Institutionen und nicht zuletzt Immobilienhändler benutzen ihn völlig selbstverständlich und unideologisch. Er sollte kommentiert werden, aber nicht verschwinden.

Warum auch, hat man in dem antikommunistischen Wahn der Siegermacht BRD schon mehr als nur sozialistische Propaganda vernichtet. Ganze Biographien, komplexe Geschichten und differenzierte Geschichte wurde dem Sturm des Beitrittes der DDR zur BRD geopfert. Darüber sollte man jetzt hinweg sein, paranoider Antikommunismus als Totschlagkeule sollte längst überwunden sein.

Apropos Geschichtskitterung, Ignoranz von ostdeutschen Biographien und penetranter Antikommunismus: Gauck mit seiner konstanten Umwidmung von DDR-Geschichte, mit seiner Interpretation von Freiheit als Instrument eines konsequenten Sozialdarwinismus und mit seinem Verrat an eine Bevölkerung, die zwischen Rügen und dem Thüringer Wald zwischen 1949-89 gelebt hat, ist die perfideste Rache der Sieger  an das ostdeutsche Volk.

Der Name und das Denkmal müssen bleiben, nicht weil ich ein notorischer Nostalgiker bin und auch kein Verfechter des Stalinisten Ernst Thälmann, sondern weil ich für differenzierte und behutsam aufbereitete Geschichte in dieser Stadt bin, weil ich für einen ambivalenten, relaxten und reflektierten Umgang mit Zeugnissen der wechselhaften Historie des Thälmannparkes und der Stadt bin. (RW)